Fühlt sie sich verstanden, ist es großartig ihre Freude zu erleben.

Weg-BeitragsbildAdventskalender am 22. Dezember 2017

von Hanna (Siegen, Nordrhein-Westfalen)

weg-haende

Sarah zeigt, etwas ist WEG.

Auf der Webseite meiner Hebamme las ich, dass es einen Kurs „babySignal“ gibt. Zunächst war ich sehr verwundert und überlegte, was das wohl sei. Wofür könne man das brauchen? Ich war auch sehr skeptisch, hatte große Vorbehalte und habe das Thema zunächst nicht weiter verfolgt. Beim „zappen“ sind wir zufällig auf eine TV-Dokumentation über die Entwicklung von Kindern gestoßen. Dort wurde eine Familie vorgestellt, in der beide Eltern gehörlos sind und über Gebärdensprache mit den beiden hörenden Kindern kommunizieren. Die berichteten, dass die Kinder mit ca. einem Jahr sehr gut mittels der Gebärdensprache kommunizierten und sie sogar fast kleine Sätze bilden konnten. In dem Beitrag konnte man sehen, wie sehr sich die Kinder freuten, dass sie verstanden werden. Der Beitrag erklärte, dass es nicht ungewöhnlich sei, dass Kinder Gebärden sehen, verstehen und anwenden können – das war für uns ein Wendepunkt und wir öffneten uns dem Thema Gebärden. Nun saßen wir da, waren sehr fasziniert und gleichzeitig wissend, dass andere uns für „nicht ganz dicht“ halten werden, wenn wir mit unserem hörenden Kind Gebärden verwenden würden. Denn nicht nur wir hatten Vorbehalte, auch unsere Umgebung ist nicht immer offen für Neues.

Mein Mann Christian spricht Deutsch mit unserer Tochter Sarah. Ich spreche primär Englisch und etwas Deutsch. Wären die Gebärden eine weitere Sprache für Sarah? Nach ein paar Tagen Überlegung und kurzem Gespräch mit der Hebamme habe ich die Kursleiterin angeschrieben und gefragt, ob es für ein so kleines Kind schon sinnvoll ist. Sarah war knapp vier Monate alt. Ich bekam eine prompte, ehrliche und sehr freundliche Antwort und so buchte ich den Kurs. Die ersten Stunden vergingen und ich fand sowohl die Kursleiterin als auch die Teilnehmer sehr angenehm. Der babySignal-Kurs ist kein Kaffeeklatsch und es gibt nicht viel Raum zum Plaudern. Ich persönlich empfinde das als sehr angenehm und ansprechend. Sarah lag da und beobachtete meistens alles – und wenn nicht, war es auch nicht „schlimm“, denn wir gebärdeten ja zu Hause. Von Sarah kamen lange Zeit keine Gebärden, allerdings war dies nicht überraschend. Aufgrund der positiven Erfahrungen und der netten Kursleiterin buchte ich den zweiten Kurs und machte einfach weiter. Weiterhin hat Sarah uns beobachtet und auf unsere Zeichen reagiert, aber diese nicht aktiv gezeigt. Den langen Atem, den wir benötigten – so sagte unsere Kursleiterin Ursel – hatte Christian irgendwann nicht mehr. „Sie zeigt uns nichts und guckt immer nur. Das hat sich nicht gelohnt“, fand er. Ich war da anderer Meinung. „Sie versteht es und überlegt.“ Also machten wir weiter mit ganz vielen verschiedenen Gebärden oder phasenweise auch nur den häufigen, die oft Anwendung finden. Wir zeigten viele Tiergebärden und alles rund um die Familie.

Kurz darauf: Als Christian abends von der Arbeit nach Hause kam sagte ich: „Sarah schau, der Papa kommt von der ARBEIT nach Hause.“ Sarah lachte, machte eine Handbewegung und lief zur Tür. Ich war entzückt, doch Christian hat nichts davon gesehen und Sarah hat es „auf Kommando“ natürlich nicht wiederholt. Die Tage vergingen und diese eine Handbewegung wurde immer deutlicher. Jetzt ist es fest etabliert, der einzige Haken… Sie zeigt die Gebärde ARBEIT nicht mit Ihren Fäusten übereinander, sondern so, dass es aussieht wie das „Time-Out“ Zeichen vom Football. Coole Sarah!

Mittlerweile zeigt Sarah uns weitere Zeichen. Die Gebärden sehen häufig anders bei ihr aus, als wir sie gezeigt haben. Wir benötigen ein wenig Kreativität, um sie richtig zu interpretieren. Manche Zeichen von ihr haben auch eine Art Doppeldeutung: FERTIG und ARBEIT sieht bei ihr gleich aus. Im Zusammenhang ist es dann zumindest für uns verständlich.

hund-klopfen

Sarah zeigt HUND und klopft dafür auf den Oberschenkel.

Sarah ist nun 1 ½ Jahre alt und fängt langsam an einzelne Worte zu nutzen. Es sind sowohl deutsche als auch englische Worte dabei. Es ist schön zu beobachten, wie sie die Gebärden nutzt und damit kommuniziert. Wenn jemand sie nicht versteht, zeigt sie die Zeichen möglichst sehr deutlich. Fühlt sie sich verstanden, ist es großartig, Ihre Freude zu erleben. Die Omas sind nun, nach anfänglicher Skepsis, entzückt, wie Sarah die Gebärden einsetzt.

Die Gebärde OMA zeigt Sarah auch. Normalerweise zeigt man auf dem Hinterkopf einen Dutt – für den Begriff OMA. Bei Sarah sieht die Gebärden anders aus: Sie tippt nur mit einem Finger an die Stirn und es erinnert an die allgemein bekannte Geste, wenn man „einen Vogel zeigt“. Uups! Somit lässt sich unsere Familie wie folgt beschreiben: Papa ist immer im Time-Out und die Omas sind verrückt.

Unser Fazit: Insgesamt gesehen erleichtern uns die Gebärden den Alltag und helfen Sarah, sich mitzuteilen. Sie geht beispielsweise zur Schlafenszeit zum Herd und zeigt AN und auf die Milch und dann SCHLAFEN. Sobald die Milch fertig aufgewärmt ist, stiefelt sie zum Schlafzimmer.

Gewinnspiel:

babySignal-adventskalender22Möchten Sie mit Ihrem Kind auch einen babySignal-Moment erleben? Dann machen Sie mit und gewinnen Sie mit etwas Glück eine Einzelstunde mit Kursleiterin Ursula Cluse aus dem Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen. Beantworten Sie dazu die folgende Frage: Welche Gebärde zeigt Sarah auf dem unteren Bild?

Die Antwort senden Sie noch heute bis 24:00 Uhr, per E-Mail an Ursula Cluse mit dem Stichwort: “Geschichten-Adventskalender”. Bitte vergessen Sie nicht, Ihren Namen und Ihre Anschrift anzugeben. Die Gewinner/innen werden anschließend per E-Mail informiert.

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