Kursleiterinnen erzählen: Heute kein Brei!

Unsere Hamburger Kursleiterin Annika ist in Elternzeit und berichtete vor ein paar Tagen vom Gebärden mit Jona. Lest selbst:

Mit Jona (9 Monate) gebärde ich sicher schon einige Monate.

Hauptsächlich FERTIG, aber auch WEG, ESSEN, MILCH, SCHLAFEN, AN/AUS und BALL. Wenn er keinen Brei mehr möchte, zeige ich ihm die Gebärde FERTIG.

Wenn er satt ist, strahlt er mich dann an, andernfalls öffnet er noch einmal den Mund.

Annika_Jona_Brei

Hier war die Brei-Welt noch in Ordnung

Neulich wollte er einige Tage lang nicht so gerne Brei essen, so dass ich des Öfteren stattdessen eine Flasche Milch machen musste. Meistens habe ich es daran gemerkt, dass er jammerte, anstatt zu essen oder den angebotenen Löffel Brei wegschlug.

Gestern Abend lief es aber ohne Jammern:

Erst lehnte er den Rest Gemüsebrei vom Mittagessen ab, indem er die Hände aufeinander schlug, bzw. aneinander abwischte (seine Variante der Gebärde FERTIG). Ich bot ihm stattdessen den Abendbrei an, den er normalerweise um diese Uhrzeit bekommt. Wieder fing er an, die Hände aneinander abzuwischen! Also fragte ich ihn: Möchtest du MILCH (mit der Gebärde dazu)? – und prompt strahlte er über das ganze Gesicht und trank anschließend die ganze Flasche aus, die ich ihm vorher noch gar nicht gemacht oder gezeigt hatte!

Ich staune darüber, dass er bereits jetzt so viel versteht und sich sogar mitteilen kann! Mare (3) hatte damals ihre erste Gebärde auch mit 9 Monaten gezeigt. Jona kommt mir dagegen noch so klein vor… Ich bin so froh, dass wir die Gebärden haben und freue mich auf viele weitere gelungene Kommunikationssituationen mit ihm!

Liebe Grüße,

Annika

Ilka und Nele (2)

Ilka Mono-Ahrens, Logopädin & Voice Coach in Hamburg, schrieb uns neulich, wie es bei ihr zu Hause mit dem Sprechen und Gebärden läuft. Nele ist bereits 2 und kann ziemlich gut sprechen. Lest selbst:

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Nele plappert was das Zeug hält. Sie wird nächste Woche 2 und ist von Wortschatz und Grammatik her wirklich fit. Ihre Gebärden benutzt sie so gut wie gar nicht mehr. Allerdings saß sie heute am Kaffeetisch und sagte: „Ich bin satt. Satt heißt …“ und dann machte sie die Gebärde für FERTIG.

Ich erklärte ihr, dass das die Gebärde für FERTIG sei und zeigte ihr nochmal die passende für SATT. Daraufhin Nele: „Das heißt SATT und das heißt FERTIG“ und gebärdete parallel dazu!

Ich finde es sehr interessant, dass sie nach mehreren Monaten noch die Gebärden weiß, obwohl wir sie lange nicht mehr verwendet haben. Aber vor allem finde ich bemerkenswert, dass sie mit noch nicht einmal 2 Jahren weiß, dass man eine Sache auf unterschiedliche Weise ausdrücken kann. Das spricht für einen bewussten aber auch flexiblen Umgang mit Sprache.

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Danke für Dein tolles Feedback, Ilka!

Lottas Wort- und Gebärdenmix (Frauke)

Lotta (19 Monate) beginnt zu sprechen und kombiniert auf eine witzige Art und Weise ihre ersten Worte mit Gebärden. Vor ein paar Tagen hat sie ihren ersten gemischten 3-Wort-Satz gebildet:

Sie saß draußen auf einem Treppenabsatz bei ihren Großeltern, zeigte auf das gegenüberliegende Kornfeld und sagte „da raktor“. Dazu zeigte sie die Gebärde FERTIG. Der Traktor ist fertig! Am Tag zuvor hatte sie lange einem Traktor bei der Arbeit zugesehen und konnte mir das auf diese Weise erzählen!

Kornfeld
Lustig wird es, wenn ihre Worte und Gebärden ein wildes Gemenge ergeben, weil es Lotta nicht schnell genug gehen kann, etwas zu erzählen. Wie in der Situation, wenn eine Fliege da und plötzlich wieder weg ist. Dabei gebärdet sie FLIEGE und WEG schneller, als sie es gleichzeitig zu sprechen versucht! Da sorgt jedesmal für großen Spaß bei uns allen!

Wir sind also nach wie vor sehr begeistert und genießen die explosionsartigen Kommunikationsversuche auf allen Ebenen (ständig neue Worte, Satzgefüge aus Worten und Gebärden).

Jetzt kommt der Feinschliff! (Maren)

In meinem letzten Beitrag habe ich beschrieben, dass Paul und ich eigentlich nur noch selten Gebärden im Alltag nutzen. Einzelne Gebärden gebraucht er aber weiterhin, um manches Gesagte zu bestärken, z.B. FERTIG, KATZE, SIRENE, STOPP und WEG. Diese Gebärden sahen bei Paul teilweise anders aus als wir Erwachsenen sie machen –  bis jetzt!

Vor ein paar Tagen konnte ich auf einmal beobachten, wie sich etwas an der Ausführung der Gebärde bei Paul änderte. Paul hatte genug Milch getrunken und teilte mir dieses mit dem Wort „fattis“ und der Gebärde FERTIG mit. Ich konnte nur aus dem Augenwinkel sehen, wie er dabei angestrengt auf seine Hände schaute und diese zum ersten Mal aufeinander zu bewegte und kreuzte. Bisher hatte Paul bei FERTIG beide Hände auf und ab bewegt, diese hatten sich dabei aber nicht berührt. Es war total niedlich zu beobachten, wie konzentriert er dabei aussah und wie genau er darauf achtete, wie er seine Hände bewegen wollte!

Auch in den Tagen danach hat Paul die Gebärde FERTIG zwischendurch immer mal wieder gezeigt und jedes Mal wieder hat er darauf geachtet, die Hände dabei „richtig“ zu bewegen. Seit diesem Tag nutze natürlich auch ich wieder vermehrt die Gebärde FERTIG, wenn ich z.B. beim Baden oder beim Spielen auf dem Spielplatz ein Ende mit den Worten „Eine Runde noch, dann sind wir fertig“ ankündige. Paul und ich sind also doch noch mittendrin…