Botschafterinnen von babySignal berichten weiter

Nachdem wir im babySignal-Jubiläumsjahr (2015) unsere Aktion zum Botschafter ausgerufen haben, erreichten uns viele tolle Bewerbungen. Nun erzählen uns hier die damaligen Gewinnerinnen, die mit ihren Kindern kostenlos einen babySignal-Kurs besuchen durften, von ihren spannenden Erfahrungen mit Gebärden zuhause, nach dem Kurs von „babySignal – mit den Händen sprechen„.

1_Steffi und Sohn FensterSteffi und Benno (Berlin): Wir haben fast alle im Kurs gelernten Gebärden in unseren Alltag integriert und nutzen somit die Gebärden recht häufig: Beim Waschen, essen, spielen und Bücher betrachten. Benno (12 Monate) kann schon erstaunlich gut selber Gebärden zeigen. Ich finde es äußerst praktisch, da er bisher nur ein paar einzelne Wörter sprechen kann. Ich kann ihn tatsächlich durch die Gebärden viel besser verstehen, er mich aber offensichtlich auch. Morgens, wenn ich ihm Frühstück mache, zeigt er auch schon, dass er Hunger und Durst hat. Wenn mein Mann zur Arbeit geht, verabschieden wir ihn an der Tür.  Benno gebärdet inzwischen PAPA und ARBEITEN. Benno schaut auch sehr gerne Bücher an, sein Lieblingsbuch ist ein Bauernhofbuch. Da gebärde ich die Tiere für ihn. Einige kann er auch schon selber zeigen. Ständig möchte er aus dem Fenster schauen; wenn er einen Vogel sieht, freut er sich und gebärdet VOGEL. Sein Mitteilungsbedürfnis wächst: Seit ein paar Tagen versucht er mir händeringend etwas zu sagen. Leider konnte ich noch nicht herausfinden, was er mir sagen will. Insgesamt klappt es aber sehr gut zwischen uns und ich verstehe was er möchte oder wovon er erzählt. Diese Gebärden zeigt er schon. SIRENE, ESSEN, TRINKEN, HUND, KUH, MAMA, PAPA, NOCHMAL, MEHR, DREHEN und MUSIK.

FinchenAndreaAndrea und Finchen (bei Hamburg): Ich gebärde täglich mit meiner Tochter (15 Monate) und finde auch, dass sie sehr aufmerksam ist, wenn ich gebärde. Besonders häufig nutze ich Gebärden beim Benennen von Tieren und wenn wir singen. Parallel zu den Gebärden, die sie selbst zeigen kann, beginnt Finchen langsam an zu sprechen. Durch ihren großen Bruder, der ja schon sehr viel spricht, will sie das auch schnell lernen. Sie sagt bereitsn „Mama, Papa, Oma, Katze, Puppe auch, anziehen, aufstehen, haben und danke“. Manchmal sagt sie „Tschüss“ und winkt dazu. Gebärden, die sie oft zeigt sind: MUSIK, damit ich ihr etwas vorsinge und NOCHMAL. Die Bedeutung von NOCHMAL hatte sie sofort begriffen. Dabei dreht sie nicht nur den Zeigefinger sondern die ganze Hand vor dem Oberkörper. Wenn Finchen eine Katze sieht, so gebärdet sie das momentan am liebsten, obwohl sie KATZE auch schon sprechen kann. Der Hund, für den sie in der Vergangenheit häufig die Gebärde benutzt hat, ist im Moment ebenfalls die KATZE*. Zusätzlich stelle ich häufiger fest, dass eine Handlung, die Finchen nicht besonders schätzt (wie Gesicht waschen und Zähne putzen) leichter wird, wenn ich vorher die Gebärde mehrfach zeige und ankündige, was kommt.

*Anmerkung von Wiebke Gericke: Diese Art der Übergeneralisierung in der Sprache von Kindern ist in diesem Alter positiv zu bewerten. Fine stellt fest, dass Katze und Hund gleiche Merkmale haben (beide haben vier Beine) und benennt daher beide Tiere gleich. Später wird sie dann jedes Tier unterschiedlich benennen.

LottaJessica und Lotta (Bremen): Lotta ist jetzt fast ein Jahr alt und Gebärden sind weiterhin ein aktiver Bestandteil unserer Kommunikation. Schauen wir ihre Lieblingsbücher an, so blättert sie immer wieder zu den Seiten, wo sie das Tier schon selbst gebärden kann: HUND, KATZE, SCHAF, KUH, FISCH und MAUS. Auch die Lautäußerungen sind bei den Tieren, die sie gebärden kann, viel ausgeprägter, als bei den anderen. Bei den Mahlzeiten gebärdet Lotta auch regelmäßig. Während die große Schwester schon sehr viel spricht (besonders auch mit ihrer kleinen Schwester), gebärdet Lotta auf ihre Art und Weise zurück. Immer öfter merken wir, dass sich auch die ersten richtigen Worte erkennen lassen. Als zweisprachig aufwachsendes Kind sind das im Englischen: this, bye, no, daddy und im Deutschen: da(s), Mama und ja. Ihre Körpersprache ist ebenfalls ausdrucksstark (Blicke, Nicken). Wir wissen nicht, ob wir durch die Gebärden sensibler sind auf ihre Körpersprache zu achten oder ob Lotta einfach sehr aktiv ist. Ganz auffällig ist, dass Lotta ganz bewusst ihre Hände bewegt, betrachtet und als Kommunikationsmittel versteht. Das finden wir sehr beeindruckend. Im April 2016 beginne ich mit der Ausbildung zur babySignal-Kursleiterin und werde zukünftig eigene Kurse in meinem Raum anbieten können. Als Familie hingegen überlegen wir einen weiteren Kurs zu besuchen. Der Zauber des Gebärdens liegt auf jeden Fall in den kleinen Situationen, die mich als Mutter berühren: Gestern stand ich morgens an der Tür und drehte mich noch kurz zum Abschied zu Lotta um. Da lächelte sie mich an und gebärdete ganz selbstbewusst “Tschüss”. Diesen Moment fand ich so schön, denn sie hat von sich aus, ohne Impuls von mir oder meinem Mann, Tschüss gewunken.

Petra_Felix BuchPetra und Felix (Nähe Bodensee): Die Gebärden laufen inzwischen so flüssig von der Hand, dass es uns gar nicht mehr auffällt, dass wir überhaupt gebärden. Wir singen täglich Tierlieder und auch Bilderbücher und deren Geschichten werden von uns mit den entsprechenden Gebärden begleitend vorgelesen.  Wir erlebten eine schöne Situation Anfang Januar 2016, als wir bei meinem Schwiegervater zum Geburtstag eingeladen waren. Unter den Gästen befand sich auch ein wirklich großer, zotteliger Hund. Mein Mann und ich waren etwas beunruhigt, weil Felix (12 Monate) bisher noch keinen Kontakt zu Hunden gehabt hat. Außerdem sitzt Felix nun nicht mehr ruhig auf unserem Schoß, sondern krabbelt fleißig durch die Gegend. Was würde wohl mit diesem großen Hund passieren? Die Zwei hatten sich zum Glück auf Anhieb lieb und Felix klatschte vor Freude zunächst immer wieder in die Hände. Nach einer Weile fragte mich mein Mann, wieso Felix sich eigentlich immer auf das Bein schlagen würde? Da fiel es uns beiden wie Schuppen von den Augen: Felix gebärdete uns HUND (mit der flachen Hand klopft man auf den Oberschenkel) und klatschte danach vor Freude in die Hände! Wir Eltern waren also schwer von Begriff und haben erst einmal über uns selbst gelacht. Dieser Moment war der Durchbruch. Felix gebärdet nun auch noch HALLO, AUF WIEDERSEHEN, SINGEN, SONNENSCHEIN und zeigt, wie GROSS er ist. Wir finden, es ist ein unwahrscheinlich schönes Gefühl mit dem eigenen Kind kommunizieren zu können. Es herrscht eine ganz besonders innige Atmosphäre und wir fühlen eine tiefe Verbundenheit miteinander. Wir leben babySignal! Seit Anfang Januar spricht Felix auch seine ersten Worte! Morgens beim Wechseln der Windel kam zum ersten Mal „Ma-Ma“ über seine Lippen. Da war meine Freude natürlich groß! Papa war mit einem Augenzwinkern etwas enttäuscht – er hatte gehofft, das erste Wort müsse eher Papa sein. Doch noch am selben Tag, als wir mittags mit dem Auto unterwegs waren, hörten wir vom Rücksitz „Papaaaa“!  Zwei wichtige erste Wörter an einem Tag – wie schön!

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Mehr zu unserem Kursangebot: www.babysignal.de

Eltern über babySignal: Neues von Yvonne und Alina

Yvonne & AlinaVor gut einem Jahr hat Yvonne mit ihrer damals sechs Monate alten Tochter Alina an einem babySignal-Kurs bei Tina de Boer im Landkreis Verden teilgenommen, wovon sie hier im Blog auch bereits berichtet hat. Nun sind wir neugierig, wie sich Alina, jetzt 20 Monate, weiter entwickelt und was Mama Yvonne zu berichten hat.

Liebe Yvonne, gebärdet Alina nach wie vor mit Begeisterung?

Sie gebärdet nach wie vor, benutzt jedoch viel mehr ihre Lieblingsworte oder ganz neue Wörter. Im Alter von 1 ½ Jahren konnten wir besonders rasante Fortschritte in ihrer Sprache beobachten. In dieser Zeit wurden die Gebärden dann immer unwichtiger für sie. Mittlerweile drückt sie sich in Mehrwort-Sätzen aus: „Guck! Vogel fligen oben!“

Denkst Du, dass ihre sprachliche Entwicklung etwas mit eurer Teilnahme am babySignal Kurs zu tun hat?

Einen Großteil ihrer Sprachfreude liegt ihrer Extrovertiertheit zu Grunde. Einen prägenden Teil verdanken wir allerdings auch der frühen Teilnahme am babySignal-Kurs und der Nutzung von den Gebärden, glaube ich.

Unterstützt Dich die tägliche Nutzung der Gebärden im Umgang mit Alina?

Für Alina sind die Gebärden wie eine Art Wörterbuch, mit dessen Hilfe sie Unbekanntes besser versteht. Mir selber bot der Beginn des Kurses die Möglichkeit, in Ruhe mit Alina mit Gebärden anzufangen. Für sie waren die Gesten wie ein tägliches abwechslungsreiches Fingerspiel, das Spaß, Kontakt und Aufmerksamkeit bedeutete.

Hast Du ein Beispiel für uns, wie Ihr im Alltag die Gebärden nutzt?

Beim Einkaufen kann ich ihr verdeutlichen, dass man zum Beispiel den Käse erst einkaufen, also bezahlen muss, bevor sie ihn essen darf. Alina versteht die Situation dann besser und wiederholt mit Freude die neuen Gebärden.

Werdet Ihr auch weiterhin Gebärden im Alltag nutzen?

Wir haben gerade angefangen, die Farben zu benennen und dazu auch die passenden Gebärden zu zeigen. Auch hier helfen die Gebärden und verdeutlichen die Unterschiede.

Vielen Dank, Yvonne. Weiterhin wünschen wir Dir viel Freude mit den Gebärden.

Eltern über babySignal: Maren und ihre Zwillinge

Maren ist Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogin und Mutter von Zwillingen. Es lag für sie auf der Hand, mit ihren Kindern auszuprobieren, was sie beruflich bereits kennengelernt hatte.

Liebe Maren, worauf hast Du Dich am meisten gefreut, als Du Dich entschieden hast, babySignal mit Deinen Kindern auszuprobieren?

Ich war sehr gespannt, ob es mit meinen Jungs „klappt“. Hinzu kommt, dass ich es sehr spannend finde, ob die Zwillinge unterschiedlich gebärden bzw. in unterschiedlichem Tempo anfangen. Ob sie die gleichen oder unterschiedliche Gebärden spannend finden? Und wie werden sie miteinander zu kommunizieren anfangen?

Maren und ihre ZwillingeDu hast nur mit dem Buch von babySignal gearbeitet und keinen Kurs besucht. Wie hast Du zu Hause mit den Gebärden angefangen?

Jakob und Frederik hatten es etwas eilig, auf die Welt zu kommen. Ich erwähne das nur, wenn es um das Alter der beiden geht. Ich gebärde mit ihnen, seit sie ca. 6 Monate (eigentlich also 3 Monate) alt sind. Zu diesem Zeitpunkt waren die Jungs noch gar nicht mobil. Ich habe immer mal wieder auf dem Wickeltisch z.B. das drehende Mobile gezeigt, in dem ich einfach mit dem Finger Kreise in die Luft gedreht habe. Oder ich habe Licht an- und ausgemacht und das mit dem Zeichen dazu kommentiert, in dem ich meine Hand zur Faust geöffnet oder geschlossen habe. Nach und nach habe ich dann weitere Gebärden gezeigt, die für sie ihrem Alter entsprechend spannend waren.

Wie ging es dann weiter? Wann hast Du erkannt, dass die beiden die Gebärden annehmen?

Ich hatte das Gefühl, dass Jakob und Frederik es relativ schnell interessant fanden, wenn Sprache mit Gebärden begleitet wurde. Mit ca. 12 Monaten (also 9 Monaten) hat der ältere Zwilling immer die Faust hochgestreckt, wenn ich das Licht an- oder ausgemacht habe. Und auch jetzt ist es immer noch die größte Freude, wenn sie eine Gebärde selber zeigen, und es passiert tatsächlich parallel das, was sie meinten. Ihre unbändige Freude ist einfach toll: Sie „sagen“ mir etwas und ich mache das dann tatsächlich auch.

Was fasziniert Dich am meisten an babySignal bzw. am Gebärden mit Babys?

Wenn ich mir vorstelle, wie alt sie eigentlich sein müssten, damit sie z.B. sprachlich eine konkrete Bitte an mich stellen könnten, finde ich es fantastisch, was sie mir jetzt bereits alles mitteilen können. Nicht weil ich sie damit im Speziellen fördern möchte, sondern weil wir einfach eine Menge Spaß dabei haben, uns über ganz konkrete Dinge zu unterhalten und Quatsch zu machen.

Wie läuft es aktuell bei euch im Alltag mit den Gebärden?

Meine Jungs nutzen inzwischen schon 20-30 Gebärden. Im Kinderwagen wird momentan jedes Geräusch benannt. Jeder Vogel wir gebärdet und gezeigt. Jeder Hubschrauber oder die Sirene eines Krankenwagens wird mit „Tatütata“ freudestrahlend mitgeteilt. Ich bekomme auch genau gebärdet, was sie möchten: essen, trinken, aufs Töpfchen gehen oder, das sie mit einer Sache fertig sind. Das ist natürlich für uns als Eltern praktisch. Momentan besteht die Lautsprache noch hauptsächlich aus „dadada“. Da wären diese „Gespräche“, die wir gerade so führen also noch lange nicht denkbar.

Du warst gespannt und wir sind es jetzt auch: Gebärden die Zwillinge unterschiedlich?

Beide machen z.B. andere Gebärden für (Vogel/piep-piep). Und es hat jeder von ihnen immer mal wieder eine neue Lieblingsgebärde, die er mir oder sie sich gegenseitig dann tagelang immer und immer wieder zeigen.

Spannend finde ich, dass sie lautsprachlich teilweise ihre eigene Sprache untereinander haben. Lange dachte ich, dass wäre bei den Gebärden nicht so. Sie haben aber 2-3 Gebärden, die sie immer wieder benutzen (z.B. zeigen sie sich immer mal wieder eine Gebärde, die wie schnipsen aussieht) und ich nicht weiß, was sie bedeuten. Untereinander lachen sie aber darüber. Ich denke, sie haben sich da selber etwas ausgedacht und finde das toll.

Danke, Maren, für das Interview. Gerne erfahren wir später einmal, wie es für Euch weiter gegangen ist auf dem Weg zur Sprache.