Der Klang der Worte

Viki und Anja (17 Monate) haben im Sommer 2013 am babySignal-Anfängerkurs in Seevetal teilgenommen. Zuletzt wurde hier von Anja in diesem Artikel berichtet.

Nun schreibt Viki Folgendes:

Anja erweitert unser Gebärden-Vokabular faszinierenderweise einfach mit festen, selbstkreierten Bewegungs- und Lautfolgen, wenn ihr etwas Wichtiges fehlt.

Im Musikkreis singen wir zum Beispiel oft das Lied vom Hampelmann. Seitdem ich ihr zu Hause dann mal ein Bild von einem Hampelmann gezeigt hatte, zeigt sie gezeichnete Menschen aller Art, in dem sie mit beiden Armen gewinkelt zweimal nach oben stößt und HmHm dazu sagt. Auf diese Art konnte sie mir neulich ein Haribo-Männchen im Supermarkt zeigen, dass ich nicht gesehen hatte. Nachdem sie das Zeichen so nachdrücklich wiederholte und zurück in die Richtung wollte, aus der wir kamen, sind wir suchen gegangen. Wir haben das Haribo-Männchen dann auf einem Karton gefunden, den sie mir ganz stolz zeigte und ihr Zeichen wiederholte.

Anja hat also nicht nur einzelne Zeichen gelernt, sondern ganz offensichtlich das Grundprinzip verstanden und erweitert es bei Bedarf, wenn sie merkt, dass ich es zu verstehen scheine.

Sie orientiert sich sich außerdem ganz klar auch am Laut der Worte selbst. Beim Buch der Raupe Nimmersatt kam sowohl bei der Abbildungen „Ei“ als auch bei „Eis“ am Anfang sofort ein begeistertes „EIN“-Zeichen – sie hat es halt mit dem ähnlichen Klang des Wortes in Verbindung gebracht (Gebärde für Licht „AN/AUS“). Aber auch bei der Frage morgens, ob sie ausgeschlafen hat, kam oft ein deutliches „AUS“-Zeichen. Da ist mir erst aufgefallen, dass „aus“ im Wort steckt. Ich fand es schon sehr beeindruckend, dass das Zeichen offenbar mit dem Wort an sich verknüpft wird und eben nicht „nur“ mit bestimmten Bildern oder Handlungen.

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Ich als ihre Kursleiterin bin baff. Viele unserer Kurskinder saugen die Handzeichen geradezu auf und verwenden sie selbst mit Elan und Freude. Aber dass ein Kind sich das ganze Prinzip derart zu Nutzen macht und selbständig erweitert, ist mir bisher auch noch nicht in der Form begegnet.

Ich freue mich immer wieder sehr über Geschichten meiner eigenen Kursteilnehmerinnen. Danke dafür!

Viele Grüße,

Susanne,

Susanne_Nov13
Kursleiterin in Harburg & Seevetal

Der Hund ist weg! (Lenka)

Die Gebärde WEG wird Mattis (13 Monate) nie langweilig!

Als ich neulich mit ihm einkaufen ging, saß vor dem Supermarkt ein Hund, der laut bellte.
Wir haben selber zwei Hunde zu Hause und Mattis konnte seine Augen natürlich nicht von dem fremden Hund abwenden!
So zeigte ich ihm die Gebärden HUND und LAUT, dann gingen wir in das Geschäft.

Als wir unseren Einkaufswagen zurück brachten, gebärdete Mattis WEG. Ich wusste nicht sofort, worauf er hinauswollte.

Also fragte ich: „Was ist weg, Mattis? Wir bringen jetzt den Wagen weg, ja.“ Und da zeigte Mattis auf die Stelle, wo der Hund vorher saß. Da wurde mir alles klar: Der Hund war nicht mehr da!

HUND

Nicht ohne mein Brötchen! (Christel)

Wie verblüffend schnell die Kleinsten schon kombinieren können, habe ich letztens wieder mal bei meiner Tochter (13 Monate) festgestellt.

Wir waren gerade im Supermarkt, als sie in ihrem Buggy erwachte und die Umgebung regelrecht „scannte“. Dem Moment, in dem erkannte, wo sie sich befand, folgte ein Laut der Entrüstung und die promte Gebärde für ESSEN.

Hätte ja sein können, dass ich ihr Brötchen für den Weg einfach vergesse!